Monatsarchiv: Februar 2011

Nabel 4714 Stephan Becker Trio

First Day Of Spring

Daß sich der Jazz auch noch in diesen Tagen weiterentwickelt und sich lebendig neuer Einflüsse bedient demonstriert die vorliegende CD „First Day of Spring“ des Stephan Becker Trios.
Dabei setzt Pianist Stephan Becker gekonnt musikalische Genres wie Funk und andere moderne Grooves ein, ohne die Jazztradition außer Acht zu lassen.
Die Stücke auf der CD haben alle einen unterschiedlichen Charakter, erzählen vielfältige Geschichten. Die auskomponierten Themen und Melodien sind von großer Klarheit und Gesanglichkeit ohne auf harmonischen Reichtum zu verzichten. Es gelingt dem Trio, diese Klarheit und Gesanglichkeit auch bei den Improvisationen aufrecht zu erhalten.
Mit Stephan Becker und Bassist Thomas Devie haben sich zwei ausdrucksstarke „Erzähler“ für diese CD zusammengefunden, die stets eine motivisch-melodische Prägnanz aufrecht erhalten können, auch wenn die Improvisation impulsiv, schwärmerisch und berauschend wird.
Schlagzeuger Christoph Freier überträgt nicht nur moderne Beats auf das Jazz-Set, um für einen stimulierenden Puls zu sorgen, er versteht es auch, bei Balladen und atmosphärischen Stücken die klanglichen Möglichkeiten des Schlagzeugs auszuschöpfen.
Technische Brillianz blitz auf der Aufnahme immer wieder auf, wird jedoch nie zum Selbstzweck, sondern läßt Platz für den kultivierten, farbenreichen Sound des Trios und trägt vielmehr zur Vielschichtigkeit der Kompositionen und Intensität der Improvisationen bei.
Stephan Becker improvisiert auf hohem Niveau und komponiert für verschiedene Besetzungen.
Seine Stücke spiegeln seine Lust an Melodien, Grooves und Harmonienreichtum wider – in den Improvisationen ebenso wie in den Arrangements. Gesangliche, erzählerische Improvisation, eingebettet in den leichtfüßigen Stil seiner Kompositionen ist sein Markenzeichen.
Der virtuose „Balladenkönig“ zieht seine Inspiration aus dem Moment, aus seiner Zuneigung zur klassischen Musik wie zur Filmmusik. Sein eigenes Projekt für Film- und Werbemusik heißt „Klangvorstellung“ (GbR). Diese innerste Vorstellung eines Klanges, einer Melodie oder eines Stückes, dem er auf dem Klavier Ausdruck verleiht, gehört zu ihm wie das Denken und Fühlen.